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Leben und leiden – eine philosophische Betrachtung

Meine Provokation hat offenbar funktioniert.
Zunächst einmal kann das Leben nicht ungerecht sein, meine liebe Ophelia, denn es hat keine intentionalen Zustände und handelt nicht. Mit anderen Worten, das Leben ist kein intentionaler Akteur; da jedoch nur Handlungen oder deren Wirkungen ungerecht sein können; so ist das Leben notwendig indifferent, d. i. weder gerecht noch ungerecht.
Zu beurteilen, welches Leid größer oder geringer – ein quantitatives Merkmal! – sei, mag prima facie einfach dünken. Allein bei genauerer Betrachtung ist es eine Anmaßung; kennen wir doch ausschließlich unser eigenes, persönliches Leid aus phänomenaler Perspektive. Dies bedeutet freilich nicht, wir seien völlig von anderen abgeschnitten; ein Solipsismus folgt aus den bisherigen Überlegungen nicht zwingend. Was indes daraus folgt, ist eine Ermahnung zur Vorsicht und genauen Abwägung aller relevanten Aspekte vor einer solchen evaluativen Aussage.
Meine liebe Mondrausch, einerseits hast Du natürlich recht: andererseits aber nicht. In der Tat nämlich kann es Gutes nur geben, wo man Schlechtes von demselben unterscheidet. Ist aber diese Interdependenz ontisch oder epistemisch? Eine gewichtige Frage, wenn man von dem Oberthema handeln will.
Betrachten wir folgendes einfaches Konditional:

(1) »Wenn man nicht lebt, leidet man nicht.« [~p → ~q]

Eine vermutlich wahre Aussage. Vermutlich, weil wir nicht wissen, wie es wäre, nicht zu sein, was wir sind. Wir setzen voraus, dass man, um leiden zu können, leben müsse. Empirisch können wir diese Annahme jedoch nicht verifizieren.

Gilt aber imgleichen das umgekehrte einfache Konditional:

(2) »Wenn man nicht leidet, lebt man nicht« [~q → ~p];

so dass dementsprechend die Konjunktion beider Konditionale das Bikonditional

(3) »Man lebt genau dann nicht, wenn man nicht leidet« [~p ↔ ~q] ergibt?

Auf den ersten Blick mag es uns absurd dünken; bereits das positive Pendant zu (1), nämlich

(1b) »Wenn man lebt, leidet man« [p → q]

erscheint absurd; woraus prima facie die Absurdität von (3) folgt. Interessanterweise liegt übrigens im positiven Pedant zu (2), nämlich

(2b) »Wenn man leidet, lebt man« [q → p]

keine solche Intuition der Absurdität vor. Dies findet seinen Grund darin, dass das einfache Konditional logisch nicht in beide Richtungen gilt. In diesem Falle bedeutet dies, dass, wer lebt, nicht zwingend leidet; man darf nämlich aus dem Vorliegen von p nicht auf das Vorliegen von q folgern, wenn p das Konsequens, q aber das Antecedens eines Argumentes im Modus ponens darstellt. Nur für den Fall, dass sowohl (1) als (2) gültig sind, folgt (3) beziehungsweise

(3b) »Man lebt genau dann, wenn man leidet.« [p ↔ q]

Da für die Glieder eines Bikonditionals grundsätzliche Austauschbarkeit gilt, wäre dementsprechend ebenso

(3c) »Man leidet genau dann, wenn man lebt« [q ↔ p]

gültig.
Die sprachliche Ebene scheint uns hierbei mit der logischen Ebene zu kontrastieren. Nicht zuletzt nämlich verbinden wir mit den Aussagen (1) – (3) beziehungsweise (1b) – (3b) sowie (3c) starke Gefühle.
Nichtsdestoweniger liegt eine gewisse Faszination in dieser Überlegung, weil sie womöglich einen wahren Kern enthält. Ist denn nicht jeder Zustand ein Zustand des Leidens? Ist denn nicht jede Freude mit der Antizipation ihrer Vergänglichkeit und ihres faktischen baldigen Vergehens verbunden?
Wir bewegen uns auf gefährliche Gewässer. Der Buddhismus beispielsweise beißt in den sauren Apfel und sagt, jede Form von Leben, sofern sie ich-gerichtet sei, sei oder erzeuge Leid. Erst die Lösung von dieser Ich-Gerichtetheit, nämlich das Aufgehen in allem anderen, das Einssein mit allem, ermögliche es, dem Leid zu entfliehen. An sich ist dies wenig wünschenswert; allein, was wünschenswert sei, bestimmt doch nicht den Wahrheitsgehalt einer Aussage. Die Wirklichkeit, was immer dies nun genau sein mag, richtet sich nicht nach Wunschdenken.
Besinnen wir uns auf die eingangs erwähnte Annahme einer Interdependenz zwischen Gutem und Schlechtem (nicht zwingend Bösem). Da wir Gutes und Schlechtes nicht voneinander unterscheiden könnten, wenn es eines davon nicht gäbe, besteht die Interdependenz auf jeden Fall epistemisch. Nun vermag aber das Epistemische, sei es notwendig oder kontingent, keine zwingenden Konklusionen bezüglich des Ontischen zu erbringen. In der Tat halten wir es mit einer zweidimensionalen Ontologie. Während wir Gutes und Schlechtes für uns selbst wie für andere voneinander unterscheiden und somit auf dieser Ebene ontologisch postulieren, dürfen wir dies für das, was jenseits unseres Denkens und Handelns liegt, nicht tun. Denn die Natur hat keine intentionalen Zustände; in ihr – genauer: im Makrokosmos, denn für den Mikrokosmos gilt dies nicht – kommen alle Dinge und Ereignisse ausschließlich durch Kausalität und Dependenz, durch Ursache und Wirkung also, zustande. Es bedarf mithin keiner Intentionen und Aktionen, um natürliche Vorgänge und Gegenstände zu erklären.
Zugestandenermaßen ist die Nichtintentionalität der Natur selbst ein Postulat, ein Axiom für die gesamte obige Argumentation. Dieses Postulat schließt aus empirischer Beobachtung logisch auf die notwendige, der Argumentation zugrundeliegende Ontologie. Eine Letztbegründung diesbezüglich ist, soweit ich sehen kann, nicht möglich. Seine Plausibilität erhält das Postulat daher allein durch den Erfolg, den es in den angewandten Naturwissenschaften erbracht hat: Elektritzität, elektrisches Licht, moderne Medizin, Automobile, Flugzeuge, Computer – nicht ohne die Schattenseiten zu vergessen: Schießpulver, biologische und chemische Kampfstoffe, Nurklear- und Wasserstoffsprengkköpfe. Dieser Erfolg freilich ist überwältigend. Was funktioniert, muss nicht vollständig richtig sein. Allein was funktioniert, muss zumindest zu einem relevanten, d. i. großen Teil richtig sein, damit es überhaupt funktionieren kann.
Demgemäß gilt jedoch ebenso: Wer die Vergänglichkeit und das faktsiche Vergehen einer Freude antizipieren kann, muss allererst eine Freude empfinden; womit die Freude, wenngleich nur in und abhängig von ihm und seiner Existenz, notwendig existiert. Folglich ist Leben nicht einzig Leid, d. i.

(4) Leben = Leid [a = b]

ist eine ungültige Aussage.
Genauso wenig gelten demnach

(5) (x) ax → bx

und

(6) (x) bx → ax;

womit auch die Konjunktion aus (5) und (6), nämlich

(7) (x) ax ↔ bx

hinfällig ist.
8.8.10 11:03
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ophelia / Website (8.8.10 13:34)
Es gefällt mir, dass du mich in deinem Eintrag verewigt hast. Natürlich hast du Recht, dass man seine Taten selbst steuert und nicht das Leben diese steuert. Aber glaubst du nicht auch an Schicksal? Dass irgendetwas vorbestimmt ist, dass mich nicht zufällig morgen ein Auto umfährt? Dass es gerade MICH umfährt und nicht den Fahrradfahrer neben mir? Ist das ein Zufall? Oder ist das Schicksal? Und ich finde, erst Leiden macht das Leben lebenswert. Denn wenn man den Schatten kennt, ist das Licht erst begehrenswert. Und nach jeder Nacht kommt der Sonnenaufgang. Auch in der dunkelsten Nacht leuchten Sterne, auch wenn man sie nicht gleich sieht. Manchmal brauch man erst ein Fernglas, um die Gestirne zu sehen. Aber dann leuchten sie umzu heller. Such dir dein Fernglas. Wer kann dein Fernglas sein? Und wer meins? Wer kann den Schleier von deinenmeinen Augen nehmen, damit wir das helle Morgenlicht sehen?


brains death / Website (13.10.11 17:11)
Wirklich ein sehr interessanter Eintrag.
Ich denke zwar, dass Leben Leid vorraussetzt, da wir dafür empfänglich sind, aber ich würde es eigentlich lieber so ausdrücken:
"Leben setzt vorraus, dass man empfindet."
Und da ist Leid mit inbegriffen (:

Lg,

brains death

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